Zähneknirschen


Der nächtliche stressbedingte Bruxismus mit dem Einfluss auf den Bewegungsapparat

Stress – ein Wort von der Jury zum Wort des 20. Jahrhunderts gewählt. Keiner will ihn, und fast jeder hat ihn. Stress (engl. Druck, Anspannung oder lat. stringere = anspannen) Stress wird erzeugt von äußeren spezifischen Reizen (Stressoren) die eine psychische und physische Reaktion bei Lebewesen bewirken. In der heutigen Leistungsgesellschaft gerät der Mensch immer häufiger unter Druck und Stress der sich meist durch eine Dreierkombination aus einer hohen Arbeitsanforderung, Zeitdruck und ein unangenehmes Thema hervorhebt. Der Stress kann sich im Unterbewusstsein oder auch im Bewusstsein ausdrücken. Der menschliche Körper nicht nur Erwachsene, auch Kinder ab dem 14. Lebensjahr reagieren mit einer höheren Energiebereitstellung durch Ausschüttung von dem Stresshormon Adrenalin. Dies hat zur Folge, dass eine Pulserhöhung, Blutdruckerhöhung, Blutzuckersteigerung und eine Erhöhung des Cholesterins zur Folge hat. Im Poststress vor allem in der Nacht kommt es zu eine weiteren Verarbeitung des Stresses durch den sog. Bruxismus das meist nächtliche Zähneknirschen oder Pressen. (griech. byrgmos = das Zähneknirschen) Im wahrsten Sinne des Wortes „Man beißt sich durch“.

Oft ist es wie bei einem Schnarcher, dass der Partner oder die Partnerin auf die Knirschgeräusche aufmerksam wird und dadurch in der nächtlichen Ruhe gestört ist. Auch ständiges Kaugummikauen oder unbewusstes Pressen kann eine cranio-mandibuläre Dysfunktion hervorrufen. Das unbewusste meist nächtliche aber auch tagsüber ausgeführte Knirschen oder Pressen der Zähne verursacht erheblichen Verschleiß an Zähnen, Zahnhalteapparat, Kiefergelenk, Kaumuskulatur und körperliche Beschwerden.

Bruxismus bei Kindern

Laut der Deutschen Gesellschaft für Zahlheilkunde, Mund und Kieferheilkunde DGZMK ist es bei Kindern im Alter vom 8. -12. Lebensjahr oft normal. Kinder müssen vor, während oder nach dem Zahnwechsel die Okklusion (Aufbiss) d.h. die Feinabstimmung des Zusammenbeißens der oberen und unteren Zahnreihe einschleifen und zurechtbeißen. Es geht oft mit heftigen Knirschgeräuschen einher. Es ist kein Grund zur Beunruhigung.

Die osteopathische Behandlung

Sicher ist es nicht möglich das nächtliche Knirschen und Pressen durch osteopathische Behandlungen zu lösen. Bei den Behandlungen fokussiert man auf die multifaktoriellen körperlichen Beschwerden, die durch die begleitende Übersäuerung des Magen-Darm-Traktes entsteht.

Ödematöser ZungenrandNach eingehender Anamnese findet man folgende typische diagnostische Merkmale: Bei der Inspektion des Mundinnenraumes findet man eine ödematöse Zunge mit deutlichen Zahneindrücken am Zungenrand (ABB 2) Auf den Zähnen sieht man beim „typischen Knirscher“ einen Abrieb auf der Zahnoberfläche. Durch den massiven Druck der Kaumuskulatur entstehen enorme Kräfte die auf den Zahnhals und Kiefergelenk lasten. Es kommt hierbei zu einer Druckbelastung bis zu 60kp / cm2 der Zahnoberfläche. Beim Öffnen des Mundes ist ein Knacken oder Schnappen mit einer Abweichung der Kieferbewegung auffällig.

Die Empfindlichkeit der Zahnhälse auf Kälte-oder Wärmereize und letztendlich Schäden an den Zahnwurzeln sind typische Reaktionen. Es besteht eine große Parodontosegefahr die meist mit dem Knirschen oder Pressen kombiniert ist. Der Kaumuskel M. Masseter zeigt einen äußerst schmerzhaften Triggerpunkt auf Druck. Insgesamt spricht hier von einer sog. craniomandibulären Dysfunktion. Der Kiefer absorbiert den hohen Druck über die Schädelbasis in die Halswirbelsäule, Brustwirbel- und Schulterregion. Der Körper hat die Möglichkeit die Kraft nach unten bis in die Becken-Lendenregion zu absorbieren mit der Folgehäufig auftretenden rezidivierenden SIG – Blockierungen, die Beschwerden in den unteren Körperregionen verursachen.

Folgende Symptome findet man als Ursache des Bruxismus:

  • Kopfschmerzen vor allem im Schläfen- und Jochbeinbereich
  • Atlasproblematik ( 1. Halswirbel), Schwindel
  • Halswirbelsäulenbeschwerden mit und ohne Bewegungseinschränkung meist morgens nach dem Aufstehen
  • Tinnitus ( Ohrgeräusch)
  • Schulter-Arm-Schmerzen ( Tennisarm, oder auch die schulterführende Muskulatur Impingementsyndrom ect.)
  • Vegetativen Nervensystems. Aus der Schädelbasis tritt ein wichtiger Nerv aus. Es ist der N. Vagus der zum Großteil die Verdauung, Puls, Blutdruck, Schwitzen, Atemfrequenz steuert. Sein Mitspieler oder auch Antargonist (Gegenspieler) ist der N. Sympatikus der im Halsmark und Brustwirbelsäule seine Verschaltung zeigt. Dieses System kann stark durch den Druck beeinflusst werden
  • Chronische Blockierungen der Brustwirbelsäule
  • Lendenwirbelsäulenbeschwerden
  • die LBH- Region ist eine Kompensationszone, die sowohl Spannung von unten als auch Spannung von oben kommend aus dem Kieferbereich versucht auszugleichen. In meiner praktischen Tätigkeit sieht man eine Torsionsposition (gegengleiche Drehung) des Beckens und Lendenwirbelsäule. Oft wird hier gerne schulmedizinisch ein Schuhausgleich angefertigt was die Beschwerden in der Lendenwirbelsäule mehr verstärkt
  • Knie- Achillessehnenbeschwerden, Fersensporn

Kraftvektoren
Hier in der Abbildung I können sie an Hand der blauen Pfeile sehen wie die enormen Kraftvektoren auf den Körper einwirken. Die in Rot gekennzeichneten Pfeile zeigen die fortgeführte Schmerzsymptomatik.

Bei der osteopathischen Behandlung ist das Ziel in erster Linie ein Spannungsausgleich im gesamten System zu erwirken. Vor allem die cranielle Arbeit steht im Vordergrund um die Membrane und Kieferregion zu dekomprimieren. Auch die Mobilisation der Brustwirbelsäule kann ein wichtiger Aspekt sein. Die symptomatische Behandlung d.h. die in der Perepherie liegenden Beschwerden versucht man zuletzt zu beeinflussen.

Die cranielle Dekompression

Bei der craniellen Dekompression wird Schädelbasis behandelt. Dort treten wichtige Hirnnerven, u.a. der sog Vagusnerv aus. Das membranöse System mit der Halswirbelsäule und Muskulatur wird entspannt. Der Vagusnerv ist maßgeblich an der Regulation der inneren Organe beteiligt. Geschmack, Atmung, Verdauung, Puls. Er versorgt mit dem N. Sympatikus die Gschlechtsorgane (beim Mann die Erektion und bei der Frau die Sekretion der Vagina). Hier wird Spannungsausgleich erzielt, eine Regulation des vegetativen Systems und eine Beeinflussung des muskulären und knöchernen Systems.

Dekompression der Brustwirbelsäule

Bei der Dekompression der Brustwirbelsäule versucht man den sympathischen Grenzstrang zu regulieren. Das Zielgebiet dieses enterischen Nervensystems sind vor allem die glatte Muskulatur der Blutgefäße und Drüsen. Es kommt hierbei zu einer Weitstellung der Gefäße. Der Sympathikusnerv steuert lebenswichtige Vorgänge. Ist dieser unter Spannung sind auch hier vor allem im Verdauungstrakt Dysregulationen zu finden. Das sympathische Nervensystem bewirkt insgesamt eine Leistungssteigerung des Organismus. Er versetzt den Köper in hohe Leistungsbereitschaft, er vollzieht eine Stressreaktion d.h. er steigert Puls, Blutdruck, Durchblutung und Spannung der Muskulatur, Blutzuckersteigerung und Stoffwechsel.

Behandlung des Ganglion Pterygopalatinum (Flügelgaumenganglion)

Durch den extrem hohen Druck der durch die Kaumuskulatur erzeugt wird, kommt dieses Ganglion extrem unter Stress und Spannung. Wissenschaftliche Untersuchungen (CORP Belgien) belegen, dass bei der Behandlung dieses Ganglions ( siehe Pfeil) zu einem signifikanten vermehrten Durchfluss von Blut (1/3 mehr) durch Arteria carotis interna in die Gehirnregion kommt. Bei Knirschern und Pressern kann diese Behandlung sehr schmerzhaft sein.

Ein Fallbeispiel aus der Praxis

Ein 43 jähriger Bankmanager, geschieden, kommt zu mir in die Praxis mit starken Beschwerden an der linken Achillessehne. Seine Lebensqualität war soweit eingeschränkt, dass Fußballspielen, Joggen oder schon normales Gehen nicht mehr möglich sind. Er zeigte ein Schonhinken. Desweitern klagte er über ein übermäßiges Schwitzen im Bereich der Achselhöhlen, wenn er beim Friseur beim Haarewaschen den Kopf extrem nach hinten neigen muss. Das war seine Hauptproblematik und die Motivation für ihn einen Osteopathen aufzusuchen. Desweitern eröffnete er mir, dass er noch an einer erektilen Dysfunktion leidet.

Bei der körperlichen schulmedizinischen Untersuchung fand ich eine extremste Spannung im Hinterhaupt. Eine rigide Brustwirbelsäule und eine massive Spannung der Lendenbeckenregion. Das Becken zeigte eine deutliche Torsion, wobei die linke Beckenschaufel eine massive Drehung nach vorne zeigte. Dadurch kommt ein erhöhter Zug auf die hintere Muskelkette des linken Beines bis zur Achillessehne. Bei der routinemäßigen Untersuchung des Kiefers und des Mundinnenraumes zeigte sich eine stark ödematöse Zunge mit Zahneindrücken, ein schmerzhafter Kaumuskel und ein Schnappen mit einer Deviation (Abweichung) des Kiefergelenks beim Öffnen des Mundes.

In der ersten osteopatischen Behandlung zielte ich auf eine globale Dekompression des gesamten Systems ab. Ich arbeitete craniell, ich nahm eine Deblockierung der Brustwirbelsäule vor und eine knöcherne Zentrierung des Beckens vor, so dass die Spannung auf der linken Achillessehne sich reduziert. Desweitere behandelte ich die Sehne mit lokalen Techniken. Ich empfahl dem Patienten nach der Behandlung viel Flüssigkeit zu trinken und keine extremen Anstrengungen zu machen. Eine Aufbiss Schiene wurde vom Zahnarzt angefertigt. Die Reaktion nach der ersten Behandlung was sehr heftig. Die Achillessehnenschmerzen nahmen enorm zu, so dass er an diesem Tag nicht arbeiten konnte. Die Schmerzen waren nur durch kühlen erträglich. Nach drei Tagen reduzierten sich die Achillessehnenschmerzen deutlich. Er konnte normal gehen. Nach einigen Behandlungen liesen auch das Schwitzen beim Friseur nach und die erektile Dysfunktion reduziert sich nach und nach, so dass er wieder ein normales sexuelles Leben führen konnte. Es waren insgesamt 4 Behandlungen notwendig die zum Erfolg führten. Entscheidend war vor allem auch die Compliance des Patienten.

Diese o.g. Beispiele sind keine Rezepte zur Behandlung. Durch die Komplexität des menschlichen Körpers können multifaktorielle Beschwerden auftreten. Das Kiefergelenkspiel hier eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Weitere unterstützende Maßnahmen zur Behebung einer cranio-mandibulären- Dysfunktion

  • Physiotherapie – es gibt speziell ausgebildete Physiotherpeuten die in Zusammenarbeit mit Zahnärzten die cranio-mandibuläre Therapie ausführen
  • Psychotherapie
  • Coaching
  • Hypnose
  • Anfertigung einer Okklusionsschiene für die Nacht

Die Okklusionsschiene

Die OkklusionsschieneZahnärzte können in Zusammenarbeit mit einem entsprechend qualifizierten Zahntechniker eine Aufbißschiene anfertigen, um den Verschleiß an den Zähnen zu stoppen. Auch eventuelle Störkontakte der Zähne können ausgeglichen werden, was ebenfalls zur Entlastung führen kann.

Hierbei ist vor allem die umfangreiche Funktionsdiagnostik durch einen qualifizierten Zahnarzt mit Gelenkaufzeichnungen und weiterführenden Maßnahmen unumgänglich.

Die Anfertigung dieser Schienen stellt ausgesprochen hohe Ansprüche an die Qualifikation des jeweiligen Zahnarztes und Zahntechnikers. Sofern es nicht gelingt, mit dieser Schiene die Gleitfunktion der Zwischengelenkscheibe wieder herzustellen, versagt die Behandlung (U. Lotzmann, Marburg 2001). Je nach Art der Okklusionsstörung können ganz unterschiedliche Aufbiss Korrekturen bzw. Aufbiss Behelfe erforderlich sein. Die Aufbiss Schiene ist lediglich ein Schutz des Abriebs.

Es empfiehlt sich aus Erfahrung, bevor mit der Korrekturtherapie begonnen wird, eine craniomandibuläre Therapie mit mehreren Sitzungen bei einem dafür speziell ausgebildeten Physiotherapeuten zu absolvieren. Unmittelbar bevor der Bissabdruck gefertigt wird, ist eine osteopathische Behandlung zu empfehlen. Bei der Behandlung wird der gesamte Körper systematisch zentriert und entspannt, sodass später eine gute Passform der Schiene gewährleistet ist.

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